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B2B E-Commerce08. Juni 2026

Schnellbestellung in Shopware 6: Quick Order, Bestelllisten und CSV-Upload für B2B

Ein Einkäufer im Großhandel will keine 80 Artikel einzeln durch den Produktkatalog suchen. Er hat die Artikelnummern in einer Excel-Liste, kennt die Mengen und will in zwei Minuten fertig sein. Genau hier entscheidet sich, ob ein B2B-Shop im Alltag benutzt wird oder ob der Kunde lieber wieder per E-Mail bestellt. Shopware 6 bringt dafür mit den B2B Components fertige Bausteine mit — und für alles, was darüber hinausgeht, steht die Store API bereit.

1. Warum Schnellbestellung im B2B kein Nice-to-have ist

Im B2C kauft jemand drei Artikel und sucht sie gerne im Katalog. Im B2B sieht der typische Warenkorb anders aus: wiederkehrende Bestellungen mit dutzenden Positionen, oft jede Woche dieselben Artikel, manchmal mit kundenspezifischen Mengen. Wer diese Kunden zwingt, jeden Artikel über die Produktsuche aufzurufen, baut bewusst Reibung ein. Die Folge ist immer dieselbe: Der Shop wird umgangen, Bestellungen kommen wieder per Telefon oder PDF rein, und der Effizienzgewinn der Digitalisierung verpufft. Eine funktionierende Schnellbestellung ist deshalb kein kosmetisches Feature, sondern oft der Punkt, an dem ein B2B-Projekt seinen ROI verdient oder verfehlt.

2. Quick Order: Artikelnummer rein, Menge dazu, fertig

Das Herzstück liefern die B2B Components. Mit der Quick-Order-Funktion sucht der Kunde Produkte direkt über Name oder Artikelnummer und passt die Mengen unmittelbar im Kundenkonto an — ohne Umweg über die Produktdetailseite. Über einen „Zur Liste hinzufügen"-Button landen die Positionen entweder in einer bestehenden Bestellliste oder in einer neu angelegten. Praktisch wird daraus eine Eingabemaske, in die ein Einkäufer seine Bestellung tippt oder einfügt, statt durch den Katalog zu navigieren. Die Quick-Order-Funktion gibt es laut Shopware-Doku ab Version 6.5.4.0 — sie ist also kein Beta-Feature, sondern erprobte Standardfunktionalität.

3. CSV-Upload: Die Bestellung kommt aus dem ERP

Der eigentliche Beschleuniger im Großhandel ist der CSV-Upload. Statt einzeln zu tippen, lädt der Kunde eine fertige Datei hoch — mit den beiden Spalten product_number und quantity. Genau dieses Format erwartet Shopware, inklusive Download-Vorlage; das offizielle Integrationsbeispiel zeigt das gleiche Schema. Das klingt simpel, ist aber in der Praxis Gold wert: Viele Einkäufer exportieren ihre Bedarfsliste ohnehin aus dem eigenen Warenwirtschaftssystem. Wenn diese Datei direkt im Shop landen darf, entfällt die manuelle Übertragung komplett. Wichtig in jedem realen Projekt: Die Artikelnummern im Shop und im Kunden-ERP müssen sauber zusammenpassen. Ein robuster Import braucht deshalb klare Fehlermeldungen für unbekannte Nummern, statt die halbe Bestellung still zu verschlucken.

4. Bestelllisten: Wiederkehrende Bestellungen ohne Neuanlage

Bestelllisten (offiziell „Einkaufslisten") ergänzen das Bild für alles, was sich regelmäßig wiederholt. Ein B2B-Kunde legt seine Standardbestellung einmal an und ruft sie beim nächsten Mal einfach wieder auf. Die Komponente erlaubt das Erstellen, Bearbeiten und Organisieren mehrerer Listen, inklusive Mengenpflege. Spannend ist die Rückrichtung: Auch der Händler kann eine Liste als Bestellvorschlag für bestimmte Anwendungsfälle hinterlegen — etwa ein Standard-Sortiment für eine Kundengruppe. Die Bestelllisten sind laut Doku ab Shopware 6.6.3.0 verfügbar, bei älteren Versionen lohnt also vorab ein Blick auf den Versionsstand.

5. B2B Components vs. eigene Lösung — die Lizenzfrage

Der Haken: Quick Order, CSV-Upload und Bestelllisten gehören zu den kommerziellen B2B Components und sind laut Doku ab dem Evolve-Plan über die Shopware Commercial-Erweiterung verfügbar (Evolve, Beyond). Zu beachten: Shopware bietet im B2B-Umfeld zwei Wege an — die modularen B2B Components und die ältere B2B Suite. Wer ein bestehendes Projekt migriert, sollte früh klären, auf welchem Stack er aufsetzt. Wenn die kommerzielle Lizenz nicht in Frage kommt oder die Standardfunktion nicht exakt zum Prozess passt, ist eine eigene Schnellbestellung über ein Plugin eine legitime Alternative. Die Faustregel: Native Komponente, wenn der Standard-Workflow passt und das Budget die Lizenz trägt. Custom-Lösung, wenn der Bestellprozess Sonderlogik braucht — etwa eine Validierung gegen kundenspezifische Sortimente, Mindestmengen pro Artikel oder eine direkte ERP-Verfügbarkeitsprüfung beim Upload.

6. Custom Quick Order über die Store API

Technisch ist eine eigene Schnellbestellung weniger Aufwand, als viele denken, weil Shopware den Warenkorb sauber über die Store API abbildet. Die Warenkorb-Funktionen liegen als Store-API-Routen im Namespace Shopware\Core\Checkout\Cart\SalesChannel bereit. Der Ablauf für ein Custom-Plugin: CSV oder Eingabemaske parsen, die Artikelnummern serverseitig zu Produkt-IDs auflösen, daraus Line Items aufbauen und gesammelt über die Cart-Route in den Warenkorb legen. Ein Line Item ist dabei die generische Bestellposition — ob physischer Artikel, Download oder Bundle. Genau diese Abstraktion macht es einfach, eine ganze Liste in einem Rutsch hinzuzufügen, statt jeden Artikel einzeln durch den Checkout zu schleusen. Für ein entkoppeltes Frontend gilt dasselbe Prinzip: Das Next.js-Frontend ruft die Cart-Routen mit dem Context-Token auf, die Bestelllogik bleibt vollständig im Shopware-Backend.

7. Fazit: Den realen Bestellprozess abbilden, nicht den Idealfall

Schnellbestellung steht und fällt nicht mit der Technik, sondern damit, wie nah die Lösung am tatsächlichen Einkaufsverhalten liegt. Für viele Projekte sind die nativen B2B Components der schnellste Weg — sauber gebaut, gewartet und ohne Eigenentwicklung. Sobald aber Sortimentsregeln, Mengenlogik oder ERP-Abgleich ins Spiel kommen, lohnt der Blick auf eine Custom-Lösung über die Store API. Beide Wege funktionieren. Die eigentliche Arbeit liegt davor: zu verstehen, wie der Kunde heute bestellt — und genau das im Shop abzubilden, statt ihm einen Idealprozess aufzuzwingen, an dem er vorbei arbeitet.

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