B2B Bestellfreigabe in Shopware 6: B2B Components, B2B Suite & Custom-Lösungen im Vergleich
Ein Einkäufer legt einen Warenkorb über 8.000 € an — und klickt auf „Kaufen". Kein Vorgesetzter hat zugestimmt, kein Budget geprüft, keine Kostenstelle hinterlegt. Genau für diesen Fall hat Shopware mit den B2B Components eine vollwertige native Lösung. Aber sie hat ihren Preis — und der ist nicht für jeden Shop die richtige Antwort.
1. Das Problem: B2B-Einkauf braucht Kontrolle
Im B2B-Bereich kaufen Sachbearbeiter für Abteilungen, Projektleiter für Budgets, Einkäufer für den ganzen Konzern. Fast jede Bestellung durchläuft intern eine Prüfung, bevor sie verbindlich ist. Fehlt dieses Freigabesystem im Shop, entstehen Workarounds: Bestellungen werden storniert, Rechnungen nachträglich korrigiert, oder Mitarbeiter umgehen den Shop komplett und bestellen per Telefon. Das ist nicht nur ineffizient — es zerstört den ROI des gesamten E-Commerce-Projekts.
Die gute Nachricht: Shopware hat dieses Problem erkannt und mit den B2B Components eine Lösung gebaut, die deutlich mehr kann als viele Custom-Implementierungen.
2. Die B2B Components: Shopwares native Antwort
Die B2B Components sind seit 2024 Shopwares offizieller Baukasten für komplexe B2B-Anforderungen. Sie bestehen aus sechs Modulen — darunter Employee Management, Quote Management, Shopping Lists und das hier relevante Order Approval-Modul. Alle Module sind direkt in den Shopware Core integriert, API-first aufgebaut und vollständig headless-fähig.
Was das Order-Approval-Modul nativ liefert, ist beeindruckend: Approval Rules, die frei kombinierbar sind — nach Bestellwert, Produktkategorie oder Mitarbeiterrolle. Mehrstufige Freigabeprozesse, bei denen z.B. Bestellungen über 500 € den Teamleiter benötigen und über 5.000 € zusätzlich die Einkaufsleitung. Budget-Limits pro Mitarbeiter oder Abteilung — wird das Limit überschritten, greift automatisch der Freigabeprozess. Dazu automatische E-Mail-Benachrichtigungen und ein vollständiger Audit-Trail. Wer eigene Bedingungen braucht, kann diese per Plugin oder App erweitern.
Kurz: Alles, was man von einem professionellen Procurement-System erwartet, ist vorhanden.
3. Der Haken: Die Lizenzkosten
Die B2B Components sind nicht in der Community Edition oder Rise enthalten. Sie sind ab der Evolve-Edition verfügbar — und die kostet ab ca. 2.400 €/Monat. Für einen mittelgroßen B2B-Shop mit solidem Volumen kann das absolut gerechtfertigt sein. Für einen wachsenden Shop mit noch überschaubarem Umsatz ist das ein harter Brocken.
An dieser Stelle lohnt es sich, ehrlich zu rechnen: Wenn die Alternative Custom-Entwicklung ist, liegen allein für ein solides Approval-Plugin schnell 20–40 Entwicklungstage an — plus laufende Wartung bei jedem Shopware-Update. Auf drei Jahre gerechnet übersteigt das die Lizenzkosten oft. Wer aber noch nicht in der Evolve-Liga spielt, braucht eine andere Lösung.
4. Was ist mit der B2B Suite?
Wer nach Shopware B2B recherchiert, stößt unweigerlich auf die B2B Suite. Wichtig zu wissen: Die B2B Suite ist deprecated. Ab Shopware 6.8 wird sie nicht mehr offiziell unterstützt, bekommt nur noch Security-Patches und wird schrittweise eingestellt. Bestehende Installationen laufen weiter, für neue Projekte ist sie keine Option mehr.
Wer heute noch eine B2B Suite lizenziert, baut auf auslaufender Technologie. Die Empfehlung von Shopware und der Community ist eindeutig: B2B Components für Neuprojekte, Migration von der Suite zu den Components für Bestandskunden.
5. Alternativen: Wann was sinnvoll ist
- Shopware B2B Components (Evolve/Beyond)Die erste Wahl für Shops, die ernsthaft B2B betreiben. Alles nativ, update-sicher, erweiterbar. Voraussetzung: Evolve-Lizenz ab ~2.400 €/Monat ist wirtschaftlich vertretbar.
- B2Bsellers Suite (Drittanbieter)Eine vollwertige Alternative für Shops auf Rise oder Community Edition. Die B2Bsellers Suite ist ein etabliertes Shopware-Plugin und bietet ebenfalls Approval-Workflows, Employee Management und Budget-Limits — zu deutlich günstigeren Einstiegskosten. Sinnvoll, wenn B2B-Funktionen gebraucht werden, aber die Evolve-Lizenz noch nicht passt.
- Custom PluginNur dann sinnvoll, wenn die Anforderungen so spezifisch sind, dass keine Standardlösung passt — z.B. tief integrierte ERP-seitige Freigabelogik oder Compliance-Anforderungen, die ein eigenes Datenmodell erfordern. Kein guter Startpunkt für Standardanforderungen.
- ERP-gestützte FreigabeWenn das ERP ohnehin das führende System ist und die Freigabelogik dort bereits existiert: Der Shop schickt die Bestellung als Entwurf ins ERP, das ERP gibt sie nach interner Prüfung zurück. Vermeidet Doppelstrukturen, setzt aber eine saubere bidirektionale Schnittstelle voraus.
6. Entscheidungslogik: Welchen Weg nehmen?
Die Frage ist nicht nur technisch, sondern vor allem wirtschaftlich. Eine pragmatische Entscheidungslogik:
Wenn der Shop bereits auf Evolve oder Beyond läuft — oder die Lizenz ohnehin geplant ist: B2B Components, ohne Umweg. Die Lösung ist vollständig, zukunftssicher und wartungsarm.
Wenn der Shop auf Rise oder Community Edition läuft und B2B-Freigaben benötigt: B2Bsellers Suite ernsthaft evaluieren, bevor Custom-Entwicklung begonnen wird. Die Kosten sind signifikant niedriger, der Funktionsumfang für die meisten Mittelständler ausreichend.
Custom-Entwicklung dann, wenn spezifische Anforderungen vorliegen, die keine Standardlösung abbilden kann — aber erst, wenn diese Anforderungen wirklich präzise aufgenommen wurden. Zu viele Custom-Plugins entstehen, weil die Anforderungsaufnahme zu früh abgebrochen wurde.
7. Fazit: Shopware hat die Antwort — man muss sie nur finden
Das Thema Bestellfreigabe ist in Shopware 6 gut gelöst — aber die Lösung ist an eine Lizenz geknüpft, die nicht für jeden Shop passt. Wer diese Entscheidung kennt, trifft sie bewusst. Wer sie nicht kennt, landet entweder in einem teuren Custom-Projekt oder auf einer Plattform, die seine B2B-Anforderungen nicht sauber abbildet.
Die B2B Suite als Empfehlung ist seit 2026 vom Tisch — wer heute neu baut, sollte das wissen. Die Frage ist nicht mehr „Suite oder Custom", sondern „B2B Components, B2Bsellers oder eigene Lösung" — und die Antwort hängt fast immer am Lizenzmodell.
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