B2B-Registrierung in Shopware 6: Firmenkonten, Kundengruppen und Händler-Freischaltung
Ein neuer Händler soll sich registrieren, seine Firmendaten hinterlassen, Netto-Preise sehen — aber erst, nachdem jemand geprüft hat, ob er wirklich Wiederverkäufer ist. Genau dieser Ablauf ist im B2B Standard, und er entscheidet über den ersten Eindruck des Shops. Das Gute: Shopware 6 bringt den kompletten Freischaltungs-Workflow bereits mit, ganz ohne kommerzielle Lizenz. Man muss nur wissen, welche Schraube wo sitzt — und wo der Standard endet und die B2B Components anfangen.
1. Warum die Kundengruppe das Herzstück im B2B ist
Im B2B beginnt fast jede Preis- und Sichtbarkeitslogik bei der Kundengruppe. Sie legt zuerst einmal fest, ob Preise im Shop netto oder brutto angezeigt werden — für Wiederverkäufer der zentrale Unterschied. An der Kundengruppe hängen darüber hinaus Preisregeln, Rabatte, Zahlungsarten und über den Rule Builder ganze Sichtbarkeiten. Ein Kunde, der in der falschen Gruppe landet, sieht falsche Preise oder gar Sortimente, die er nicht sehen dürfte. Deshalb ist die eigentliche Frage im B2B-Onboarding nicht „wie registriert sich jemand", sondern „wie kommt er kontrolliert in die richtige Gruppe". Die Standard-Kundengruppe dient dabei als Fallback für jeden Verkaufskanal und darf nie gelöscht werden — sie hat eine feste UUID, und ohne sie ist das Frontend nicht mehr erreichbar.
2. Das eigene Registrierungsformular pro Kundengruppe
Der Schlüssel steckt in einer Option, die viele übersehen: Beim Anlegen oder Bearbeiten einer Kundengruppe lässt sich ein separates Registrierungsformular aktivieren. Damit kann sich ein Kunde direkt für eine bestimmte Gruppe bewerben — etwa „B2B" oder „Wiederverkäufer". Wichtig ist das Detail dahinter: Der Kunde wird durch die Registrierung nicht sofort dieser Gruppe zugeordnet, sondern zunächst in die Standard-Kundengruppe des Verkaufskanals gelegt und für die gewünschte Gruppe nur vorgemerkt. Erst eine Freischaltung schaltet ihn scharf. Genau diese Trennung macht das Formular zum Bewerbungs-, nicht zum Selbstbedienungsmechanismus — und das ist im B2B fast immer gewollt.
3. Firmenfelder: Firma, Abteilung und USt-ID
Sobald das eigene Formular aktiv ist, erscheinen weitere Konfigurationsfelder. Neben einem Titel und einem optionalen Einleitungstext — ideal, um zu erklären, für wen diese Registrierung gedacht ist — gibt es die entscheidende Option „Firmenregistrierung". Ist sie gesetzt, blendet das Formular zusätzliche Felder ein: Firma, Abteilung und USt-ID. Diese Angaben sind laut Standard optional. Ein Punkt, der in Projekten regelmäßig für Diskussionen sorgt: Das Feld für die USt-ID ist da, eine automatische Prüfung gegen die europäische VIES-Datenbank gehört im Standard aber nicht dazu. Wer eine harte Validierung braucht — Format, Existenz, Reverse-Charge-Logik — greift dafür zu einem Plugin oder einer eigenen Erweiterung. Für den reinen Freischaltungs-Prozess reicht die manuelle Sichtprüfung durch das Team.
4. Die URL: warum das Formular ohne Verkaufskanal unsichtbar bleibt
Ein häufiger Stolperstein: Das Formular ist konfiguriert, aber niemand findet es. Der Grund ist fast immer die URL. Damit das Registrierungsformular überhaupt aufrufbar ist, muss es mindestens einem Verkaufskanal zugeordnet werden. Erst beim Speichern erzeugt Shopware dann eine sogenannte Technische URL, die sich im Kategorie-Modul für benutzerdefinierte Links einsetzen lässt und automatisch in die passende Verkaufskanal-URL übersetzt wird. Fehlt für eine Sprache eine vollständige URL, liegt es meist daran, dass die Sprache oder die Domain im Verkaufskanal nicht hinterlegt ist. Wer diese zwei Schritte — Kanal zuweisen, dann Link im Footer oder Menü setzen — überspringt, hat ein perfekt konfiguriertes Formular, das im Shop schlicht nicht existiert.
5. Die Freischaltung im Admin: annehmen oder ablehnen
Nach der Registrierung landet die Anfrage im Admin. In der Kundenübersicht bekommt der neue Datensatz einen Hinweis, dass eine Kundengruppen-Anfrage vorliegt; solange nichts entschieden ist, bleibt der Kunde in der Standard-Kundengruppe. In den Kundendetails erscheint über den Navigationsreitern eine Aktion zum Annehmen oder Ablehnen der Gruppe. Der Clou für den Prozess: Bei jeder Entscheidung geht automatisch eine E-Mail an den Kunden raus — über die Vorlagen vom Typ Kundengruppenwechsel angenommen beziehungsweise abgelehnt. Diese Templates lassen sich unter den E-Mail-Vorlagen anpassen — etwa um dem frisch freigeschalteten Händler direkt seine nächsten Schritte oder einen Ansprechpartner mitzugeben. Damit ist der komplette Zyklus — Bewerbung, Prüfung, Benachrichtigung — ohne eine Zeile Code abgedeckt.
6. Automatisch freischalten — und wo die B2B Components beginnen
Nicht jeder Shop will jede Anmeldung von Hand prüfen. Für die automatische Zuweisung nach der Registrierung gibt es fertige Erweiterungen im Community Store — von der reinen Auto-Freischaltung bis zu Zugangscodes, mit denen ein Kunde sich per Code direkt der richtigen Gruppe zuordnet. Sinnvoll ist das überall dort, wo Reibung teurer ist als das Risiko einer Fehlzuordnung. Eine wichtige Abgrenzung gehört aber dazu: Die Registrierung selbst, die Firmenfelder und der Freischaltungs-Workflow sind Open-Source-Standard. Sobald im Registrierungsformular aber Funktionen wie Mitarbeiterverwaltung, Quick Orders, Quote Management oder Bestellfreigabe pro Kundengruppe aktiviert werden sollen, sind das B2B Components — verfügbar erst ab dem Shopware-Evolve-Plan über die kommerzielle Erweiterung. Man kann also klein und lizenzfrei mit sauberer Händler-Freischaltung starten und die Firmenstruktur-Funktionen später zubuchen, ohne den Registrierungs-Prozess neu bauen zu müssen.
7. Headless: der gleiche Prozess über die Store API
In einem entkoppelten Setup ändert sich die Logik nicht, nur die Umsetzung. Das Next.js-Frontend rendert das Registrierungsformular selbst und schickt die Firmendaten samt gewünschter Kundengruppe an die Store API. Zwei Fallen tauchen dabei zuverlässig auf. Erstens muss der Kontotyp bei einer Firmenregistrierung explizit auf „business" gesetzt und die gewünschte Gruppen-ID mitgeschickt werden — sonst legt Shopware trotz eingegebener Firmendaten eine Privatperson ohne Gruppen-Anfrage an, still und ohne Fehler. Zweitens filtert die Store API die Kundengruppen-Registrierung serverseitig danach, ob sie für den aufrufenden Verkaufskanal aktiv ist; fehlt diese Zuordnung, existiert das Formular für das Frontend schlicht nicht. Die Freischaltung selbst bleibt in beiden Welten identisch — sie passiert im Admin, unabhängig davon, ob die Storefront klassisch oder headless ist.
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