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Checkout & Conversion28. Oktober 2026

Shopware Checkout optimieren: 12 Hebel gegen Kaufabbrüche

Ein Kunde, der schon im Checkout ist, hat sich eigentlich entschieden. Bricht er trotzdem ab, liegt es selten am Produkt, sondern an Kosten, die zu spät auftauchen, an Pflichtfeldern oder an einer fehlenden Zahlungsart. Die meisten dieser Gründe lassen sich in Shopware mit Bordmitteln beheben. Hier sind zwölf Hebel mit den passenden Einstellungen für Shopware 6.7. Den Überblick über Performance, Checkout und SEO zusammen gibt der Leitfaden Shopware 6 optimieren.

Kurz gesagt

Gastbestellung als Standard, doppelte Eingaben und unnötige Felder aus. Versandkosten und Lieferzeit zeigen, bevor der Kunde im Checkout ist. Bekannte Zahlungsarten mit Express-Button anbieten. Und den kompletten Checkout nach jedem Update einmal selbst durchspielen.

Warum Kunden im Checkout abbrechen

Laut Baymard Institute liegt die durchschnittliche Abbruchrate bei 70,22 %, gemittelt aus 50 Studien (Stand September 2025). 42 % der Befragten wollten ohnehin nur stöbern. Bei den übrigen nennt Baymard diese Gründe, befragt wurden Käufer in den USA, Mehrfachnennungen möglich. Die letzte Spalte zeigt, welcher Hebel aus diesem Artikel dagegen hilft:

AbbruchgrundAnteilHebel
Zusatzkosten zu hoch (Versand, Gebühren)40 %4, 5
Lieferung zu langsam20 %6
Kein Vertrauen bei Zahlungsdaten19 %7, 10
Kundenkonto war Pflicht18 %1
Checkout zu lang oder kompliziert17 %2, 3, 8
Fehler oder Abstürze17 %12
Rückgabebedingungen nicht überzeugend13 %10
Gesamtkosten nicht vorab sichtbar12 %4
Karte abgelehnt10 %9
Zu wenige Zahlungsarten9 %7

Ein zweiter Wert aus derselben Quelle: Ein durchschnittlicher Checkout zeigt gut 23 Formularelemente, ein guter kommt mit 12 bis 14 aus. Genau dort setzen die ersten drei Hebel an.

Hebel 1 bis 3: Konto und Formular

Alle Einstellungen dazu liegen unter Einstellungen → Kunde → Anmeldung & Registrierung, beschrieben in der Shopware-Doku. Diese Liste gehe ich in meinen Projekten regelmäßig durch.

1. Gastbestellung als Standard

Ein Pflichtkonto ist für 18 % der Abbrecher der Grund. Schalte „Standardmäßig ein Kundenkonto anlegen“ aus, dann startet der Checkout mit der Gastbestellung. Wer ein Konto will, setzt den Haken selbst. Die Option „Double-Opt-In bei Gast-Bestellungen“ schickt Gästen eine Bestätigungs-Mail. Sie hilft gegen Fake-Bestellungen, ist aber ein zusätzlicher Schritt. Schalte sie nur ein, wenn du dieses Problem wirklich hast.

2. Keine doppelten Eingaben

„E-Mail-Adresse muss zweimal eingegeben werden“ und „Passwort muss zweimal eingegeben werden“ machen das Formular länger. Beide Optionen aus.

3. Nur Felder, die du wirklich brauchst

Jedes Feld kostet Zeit und ist eine Gelegenheit, sich zu vertippen. Meine Empfehlung für die Optionen im selben Menü:

  • Standardmäßig ein Kundenkonto anlegen

    Aus. Dann bestellt der Kunde zuerst als Gast und kann ein Konto anlegen, muss aber nicht.

  • E-Mail-Adresse muss zweimal eingegeben werden

    Aus. Jedes zusätzliche Feld verlängert das Formular.

  • Passwort muss zweimal eingegeben werden

    Aus. Wer sein Passwort später nicht mehr weiß, setzt es über „Passwort vergessen“ zurück.

  • Titel anzeigen

    Aus, außer deine Zielgruppe erwartet ihn.

  • Telefonnummer anzeigen / ist Pflichtfeld

    Nur anzeigen, wenn der Versanddienstleister sie braucht, etwa bei Speditionsware. Pflicht nur dann.

  • Geburtstag anzeigen / ist Pflichtfeld

    Aus, außer du verkaufst altersbeschränkte Ware oder ein Zahlungsanbieter verlangt es.

  • Adresszusatzzeile 1 und 2 anzeigen

    Eine Zeile reicht meist, als freiwilliges Feld.

  • Auswahl zwischen Geschäfts- und Kundenkonto anzeigen

    Nur, wenn du wirklich an Firmen verkaufst. Sonst ist es eine Frage mehr ohne Nutzen.

Ob du AGB oder Datenschutzhinweise per Checkbox bestätigen lässt, ist eine Rechtsfrage. Die klärst du mit deiner Rechtsberatung, nicht nach Conversion.

Hebel 4 bis 6: Kosten und Lieferzeit

4. Versandkosten zeigen, bevor der Checkout beginnt

Zusatzkosten sind mit 40 % der häufigste Abbruchgrund, und 12 % brechen ab, weil sie den Endpreis nicht vorab sehen. Shopware zeigt die Versandkosten bereits im Off-Canvas-Warenkorb. Auf der Warenkorbseite stecken Land und Versandart dagegen hinter dem Link „Versanddetails öffnen“. Wer ins Ausland liefert, sollte das prüfen, sonst sieht der Kunde zunächst die Kosten für das Standardland.

Auf der Produktseite gehört der Hinweis „zzgl. Versandkosten“ zu einer Seite, die die Kosten wirklich nennt. Welche Shopseite dort verlinkt ist, legst du unter Einstellungen → Grundeinstellungen bei „Shopseiten-Layout für Versand- und Zahlungsarten“ fest. Eine leere oder veraltete Seite ist hier schlimmer als keine.

5. Gratis-Versand-Grenze sichtbar machen

Eine Grenze für kostenlosen Versand legst du in den Versandarten über die Preismatrix an, mit dem Warenkorbwert als Bedingung (siehe Doku zu den Versandarten). Shopware selbst zeigt dem Kunden aber nicht, wie viel ihm noch fehlt. Dafür habe ich das kostenlose Plugin Gratis-Versand-Balken entwickelt. Es zeigt im Warenkorb und im Mini-Warenkorb einen Fortschrittsbalken bis zur Grenze.

6. Lieferzeit am Produkt und im Warenkorb

20 % brechen ab, weil die Lieferung zu lange dauert, oder weil sie es nicht wissen. Lieferzeiten legst du unter Einstellungen → Lieferzeiten an und ordnest sie dem Produkt oder der Versandart zu. Damit sie auch im Warenkorb erscheint, schalte unter Einstellungen → Allgemein → Warenkorb die Option „Lieferzeit im Warenkorb anzeigen“ ein (siehe Doku zum Warenkorb). Versand, Gratis-Grenze und Lieferzeit stelle ich in Projekten zusammen ein, weil sie zusammen den Endpreis und die Erwartung des Kunden bestimmen.

Hebel 7 bis 9: Bezahlen

7. Zahlungsarten, die Kunden kennen

19 % brechen ab, weil sie der Seite ihre Zahlungsdaten nicht anvertrauen, 9 % finden ihre Zahlungsart nicht. Bekannte Anbieter helfen bei beidem, weil der Kunde seine Daten dort eingibt und nicht im Shop. Die offizielle PayPal-Erweiterung gehört zum Lieferumfang von Shopware und wird unter Erweiterungen → Meine Erweiterungen installiert. Laut Shopware-Doku bringt sie neben PayPal auch Kartenzahlung, Rechnungskauf, Lastschrift und „Später bezahlen“ mit. Apple Pay und Google Pay sind ebenfalls enthalten.

8. Express-Checkout

Mit den Express-Buttons („Direkt zu PayPal“) überspringt der Kunde Registrierung und Adresseingabe, die Daten kommen aus seinem PayPal-Konto. Die Buttons lassen sich auf der Produktseite, im Listing, im Warenkorb, im Off-Canvas-Warenkorb und auf der Loginseite einblenden. Zahlungsarten und Express-Checkout richte ich in Projekten mit ein. Für Stammkunden ist es der kürzeste Weg zur Bestellung.

9. Wenn die Zahlung scheitert

Bei 10 % wird die Karte abgelehnt. Bricht der Kunde beim Zahlungsanbieter ab oder schlägt die Zahlung fehl, bietet Shopware ihm an, die Zahlung mit einer anderen Zahlungsart abzuschließen. Die Bestellung ist dann schon angelegt. Prüf diesen Weg einmal mit einer Testzahlung: Kommt der Kunde zurück in den Shop, sieht er eine verständliche Meldung, und funktioniert der Wechsel der Zahlungsart?

Hebel 10 und 11: Vertrauen und Sonderfälle

10. Kontakt und Rückgabe im Checkout

Im Checkout blendet Shopware Navigation und Suche aus und zeigt einen reduzierten Kopfbereich mit dem Satz „Fragen zu Ihrer Bestellung?“ und einer Telefonnummer. Diese Nummer kommt aus dem Textbaustein header.supportInfo, und im Standard steht dort ein Platzhalter. Passe ihn unter Einstellungen → Textbausteine an, mit einer echten Nummer oder E-Mail-Adresse und deinen Servicezeiten. Ein Platzhalter an dieser Stelle kostet genau das Vertrauen, das du hier brauchst.

13 % brechen ab, weil ihnen die Rückgabebedingungen nicht zusagen. Verlinke Widerruf und Rückgabe gut sichtbar, und nenne Besonderheiten wie kostenlose Rücksendung dort, wo der Kunde entscheidet. Der Hinweis zu den gesetzlichen Gewährleistungsrechten auf der Bestellabschlussseite ist im Standard aktiv. Die Option dazu liegt unter Einstellungen → Allgemein → Warenkorb.

11. Personalisierte Produkte ohne Umweg über die E-Mail

Druckereien, Gravuren oder Sonderanfertigungen brauchen vom Kunden Dateien oder Angaben. Shopware kann Dateien im Checkout von Haus aus nicht abfragen. Die Folge sind Rückfragen per E-Mail nach der Bestellung, oder der Kunde bricht ab, weil er nicht weiß, wie er seine Datei schicken soll. Wie du das löst, steht im Artikel zu personalisierten Produkten mit Datei-Upload. Meine beiden Plugins dafür sind der Warenkorb-Upload pro Artikel und der Upload pro Bestellung.

Hebel 12: Den Checkout nach jedem Update testen

17 % brechen wegen Fehlern oder Abstürzen ab. Im Checkout fallen Fehler oft erst auf, wenn die Bestellungen ausbleiben, denn kaum jemand kauft im eigenen Shop ein. Nach jedem Shopware- oder Plugin-Update spiele ich deshalb den kompletten Checkout durch, zuerst auf dem Staging-System:

  • Bestellung als Gast und mit Kundenkonto
  • Auf dem Smartphone, nicht nur im Desktop-Browser
  • Jede aktive Zahlungsart im Testmodus, auch einen Abbruch beim Zahlungsanbieter
  • Einen Warenkorb knapp unter und knapp über der Gratis-Versand-Grenze
  • Eine Lieferadresse im Ausland, wenn du dorthin lieferst
  • Ob Bestellbestätigung und Rechnung ankommen

Ein langsamer Checkout ist auch ein Fehler, nur ein leiser. Wie du Ladezeiten misst und senkst, steht in der Performance-Checkliste für Shopware 6.7.

Häufige Fragen zum Shopware-Checkout

Wo stelle ich die Gastbestellung in Shopware 6 ein?

Unter Einstellungen → Kunde → Anmeldung & Registrierung. Ist „Standardmäßig ein Kundenkonto anlegen“ ausgeschaltet, landet der Kunde im Checkout zuerst bei der Gastbestellung und kann ein Konto anlegen, muss aber nicht.

Wie hoch ist die durchschnittliche Abbruchrate im Checkout?

Das Baymard Institute nennt als Mittelwert aus 50 Studien 70,22 % (Stand September 2025). Ein Teil davon schaut nur und wollte nie kaufen. Bei den übrigen sind zu hohe Zusatzkosten mit 40 % der häufigste Grund.

Braucht Shopware ein Plugin für einen One-Page-Checkout?

Nicht zwingend. Der Standard-Checkout von Shopware ist schon kurz: Anmeldung oder Gastbestellung, dann eine Bestätigungsseite mit Adresse, Versand- und Zahlungsart. Mehr bringt es meist, unnötige Felder abzuschalten und Kosten früh zu zeigen.

Welche Zahlungsarten braucht ein deutscher Shop mindestens?

Eine feste Liste gibt es nicht. PayPal, Rechnungskauf und Karte decken viel ab. Die offizielle PayPal-Erweiterung von Shopware bringt diese Zahlungsarten mit, dazu Express-Buttons. Welche Zahlungsarten deine Kunden erwarten, siehst du am besten an den Abbrüchen auf der Bestätigungsseite.

Offenlegung: Der Gratis-Versand-Balken und die beiden Warenkorb-Uploads sind meine eigenen Plugins im Shopware Store.

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